Kastanienminiermotte
Stichwörter: Kastanien-Miniermotte, Cameraria ohridella, Pheromonfalle, Cameraria, Lockstofffalle
Die weiblichen Motten beginnen etwa zur Zeit der Kastanienblüte Eier auf die Blattoberseite ihrer Wirtspflanzen abzulegen. Dies ist erstrangig der untere Kronenbereich von Rosskastanien (Aeculus hippocastanum) aber auch Aesculus flava und Aesculus pavia, während die Entwicklung des Schädlings auf rotblühenden Hybriden von A. hippocastanum vorzeitig mit dem Tod der Larven endet. Auch Ahorn (Acer platanoides und Acer pseudoplatanoides) wird, wenn auch in geringerem Umfang, befallen.
Die nach etwa zwei Wochen schlüpfenden Eiräupchen bohren sich in das Blattgewebe ein und fressen nun gut geschützt das Blattgewebe zwischen Blattober und –unterseite. Es entseht das deutlich sichtbare Schadbild einer Blattmine, die sich innerhalb der fünfwöchigen Entwicklung unter Bildung von sechs Larvenstadien ständig vergrößert.
Durch den Fraß der Raupen im Blattgewebe entstehen Gangminen, die sich zu mehreren Quadratzentimeter großen, auffälligen Platzminen entwickeln. Bei starkem Befall, es können bis zu 300 Minen pro Blatt sein, kommt es zur Verbräunung der Blätter und einem Erscheinungsbild, das dem Symptom des Blattbräunepilzes Guignardia aesculi ähnlich ist. Über Jahre hinweg kann der betroffene Baum durch Verlust an Assimilationsfläche geschwächt und die Anfälligkeit für Sekundärinfektionen durch Pilze erhöht werden. Da die vor etwa 300 Jahren bei uns eingeführte Rosskastanie eine sehr beliebte Baumart in der städtischen Grünflächenplanung und auch im gastronomischen Bereich (z.B. Biergärten) ist, kann durch den Verlust des Zierwertes auch ein wirtschaftlicher Schaden entstehen.
Larven und Puppen von Miniermotten werden hauptsächlich von verschiedenen Schlupfwespen-Arten (Parasitoide) dezimiert. Allerdings erreichen die 20 beschriebenen heimischen Parasitoiden-Arten gerade einmal 5 bis maximal 20%, zu wenig, um die rasante Vermehrung der Kastanien-Miniermotte zu stoppen. Spinnen, Wanzen und Weberknechten sind die natürlichen Feinde der erwachsenen Motten. Offensichtlich fehlen hierzulande entsprechende Nützlingsarten, die die Kastanien-Miniermotte ausreichend dezimieren. Andererseits muss vor der ungeprüften Einfuhr faunenfremder Nützlinge gewarnt werden, um das ökologische Gleichgewicht nicht zu stören.
Der Einsatz von teilweise stark giftigen Insektiziden sollte aus ökologischen und toxikologischen Gründen unbedingt unterbleiben.
Da die Motte im Laub überwintert, war bisher das gründliche Entfernen möglichst aller Blätter die einzige Möglichkeit der Schadensbegrenzung. Bis zu 4.500 Kastanienminiermotten können aus nur 1kg trockenen Laubes schlüpfen. Andererseits werden dadurch die Parasitoide ebenfalls mit dem Laub entfernt. Neue Hoffnung macht ein kürzlich entwickelter spezifischer Sexuallockstoff der die Männchen anlockt, die dann in speziellen Pheromonfallen abgefangen werden. Die weiblichen unbefruchteten Miniermotten können sich dann nicht weiter vermehren. Sinnvoll ist der Einsatz auf jeden Fall zur Überwachung des Falterfluges. Zur direkten Bekämpfung können die Fallen zum Zeitpunkt des Schlüpfens der ersten Generation im Jahr, zur Zeit der Rosskastanienblüte, einen Beitrag leisten.
