Blattläuse bekämpfen - Pflanzenschädling und Virenüberträger

Rosenblattlaus
25. Februar 2021
Blattläuse bekämpfen - Pflanzenschädling und Virenüberträger

Was sind Blattläuse?

Blattläuse gehören zu den wichtigsten Schädlingen im Freiland und in Gewächshäusern. Zusammen mit den Schildläusen, Mottenschildläusen (Weiße Fliege), Blattflöhen und Zikaden bilden sie die systematische Gruppe der Schnabelkerfe. Es gibt weltweit ca. 3.000 Blattlaus-Arten, von denen in Deutschland etwa 850 vorkommen. Hiervon können 60 Arten als Schädlinge beschrieben werden. Die Familie der Röhrenblattläuse (Aphididae) stellt die artenreichste Schädlingsgruppe innerhalb der Blattläuse dar.

Daran erkennt man Blattläuse

Blattläuse sind meist nur 1-4 mm lang und besitzen einen birnenförmigen Körper. Die Farbe variiert je nach Blattlaus-Art und befallener Pflanze von grün, gelb, schwarz, rot oder braun. Sie besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge, um an Pflanzensaft zu gelangen. Der relativ kleine Kopf trägt oft gut sichtbare, lange Fühler. Typisch sind die auf dem Hinterleibsende sitzenden röhrenartigen Fortsätze, die sog. Siphone. Diese sind ein wichtiges Erkennungsmerkmal und dienen zur Abgabe von Alarmpheromonen oder klebrigem Abwehrsekret.

Entwicklung der Blattläuse im Jahresverlauf

Im Sommer vermehren sich Blattläuse ungeschlechtlich (Parthenogenese), wobei ein Sommerweibchen täglich drei bis sechs lebende Junge zur Welt bringt. Dieser Vorgang heißt Viviparie. So können sich Blattläuse sehr schnell vermehren und große Kolonien aufbauen. Geflügelte Tiere bilden sich bei Nahrungsknappheit, hohen Populationsdichten, Feindruck und zum Herbst, wenn wieder Geschlechtstiere entstehen, deren Weibchen Eier legen (Oviparie). Viele Arten führen gleichzeitig einen Wirtswechsel zu anderen Pflanzen, häufig Gehölzen, durch. Ist der Wechsel zwischen Viviparie und Oviparie vollständig, bezeichnet man ihn als Holozyklus. Abweichend von diesem Normalfall findet insbesondere in milden Wintern, aber auch in geheizten Gewächshäusern, eine anholozyklische Überwinterung statt, d. h. die Blattläuse überwintern als Weibchen und eine Eiablage findet nicht statt.

Befall von Pflanzen mit Blattläusen erkennen - klebrige Pflanzen

Blattläuse stechen mit ihren Mundwerkzeugen gezielt die Leitungsbahnen von Pflanzen an und saugen am Saftstrom. Man findet sie meist in dichten Kolonien an Triebspitzen oder an Blattunterseiten. Infolge ihrer Saugtätigkeit, bei der ein giftiger Speichel abgegeben wird, bilden sich oft Blattkräuselungen und Triebstauchungen. Weil der Saftstrom neben geringen Mengen an Aminosäuren auch sehr viele Kohlenhydrate enthält, scheiden die Blattläuse den überschüssigen Zucker als Honigtau aus. Dieser bildet auf befallenen Pflanzen einen klebrigen Belag, der oft von Schwärzepilze besiedelt wird. Bei großflächigem Auftreten kann so die Assimilationsfläche der Pflanze erheblich beeinträchtigt werden. Aber nicht nur durch Wuchsveränderungen, Verschmutzung und Saftentzug schädigen Blattläuse. Durch die Übertragung von Pflanzenvirosen kann es zu sehr viel gravierenderen Schäden kommen.

Blattläuse bekämpfen mit Nützlingen im biologischen Pflanzenschutz

Pflanzenschutzmittel werden immer noch häufig gegen Blattläuse angewendet, insbesondere im Zierpflanzenbau.  Aber auch hier werden immer mehr Nützlinge eingesetzt. Schlupfwespen und räuberische Gallmücken sind wichtige natürliche Gegenspieler (Nützlinge) der Blattläuse. Während Schlupfwespen auf eine oder wenige Blattlaus-Arten als Wirt spezialisiert sind und für ihre eigene Vermehrung nutzen, nehmen die Larven der räuberischen Gallmücke Aphidoletes viele Blattlaus-Arten als Beute an. Die durch Schlupfwespen parasitierten Blattläuse schwellen ballonartig an (Bild unten rechts) und dienen der Schlupfwespenlarve als Nahrung. Hier hat zusätzlich schon ein weiterer Nützling ein Ei abgelegt: eine Schwebfliege, deren Larven ebenfalls gefräßige Blattlausräuber sind.

Blattlauskolonie mit Gallmückenlarven (orange)Blattlauskolonie mit Gallmückenlarven (orange)
Blattlauskolonie mit Gallmückenlarven
Blattlausmumien und SchwebfliegeneiBlattlausmumien und Schwebfliegenei
Blattlausmumie und Schwebfliegenei (weiß)
Blattlausmumien mit SchlupflöchernBlattlausmumien mit Schlupflöchern
Blattlausmumien mit Schlupflöchern

Häufigen Blattläusen vorbeugen - effektive natürliche Feinde der Blattläuse

Blattlaus Kultur Nützling
Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae) Aubergine, Bohne, Gurke, Tomate Lysiphlebus sp., Gallmücken (Aphidoletes aphidimyza)
Grüne Gurkenlaus (Aphis gossypii) Aubergine, Bohne, Gurke, Paprika, Tomate, Zierpflanzen Aphidius colemani, Lysiphlebus sp., Gallmücken (Aphidoletes aphidimyza), Florfliegen
Grünfleckige Kartoffellaus (Aulacorthum solani) Aubergine, Gurke, Tomate, Zierpflanzen Aphidius ervi, Gallmücken (Aphidoletes aphidimyza), Florfliegen
Grünstreifige Kartoffellaus (Macrosiphum euphorbiae) Aubergine, Paprika, Salat, Tomate, Zierpflanzen Aphidius ervi, Aphelinus abdominalis, Gallmücken (Aphidoletes aphidimyza), Florfliegen
Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) Aubergine, Gurke, Paprika, Tomate, Zierpflanzen Aphidius colemani, Gallmücken (Aphidoletes aphidimyza)

Schutz durch Ameisen – ein Problem für Nützlinge gegen Blattläuse

Einige Blattlauskolonien werden durch Ameisen vor natürlichen Feinden geschützt. Die Ameisen nutzen den von den Blattläusen produzierten Honigtau als Nahrungsquelle und transportieren sogar Blattläuse zu anderen Pflanzen hin, damit sie dort neue Kolonien bilden. Um zu verhindern, dass sie den Pflanzenbestand verlassen, werden den geflügelten Blattläusen sogar die Flügel abgebissen. Ameisen können daher zu Sekundärschädlingen werden und die Arbeit der Nützlinge deutlich erschweren.

Bekämpfung von Blattläusen an Zimmerpflanzen

Gegen Blattläuse an Zimmerpflanzen können sehr gut die räuberischen Florfliegenlarven eingesetzt werden. Diese eignen sich nicht nur dazu, Blattläuse zu bekämpfen, sondern fressen auch junge Stadien der Wollläuse / Schmierläuse oder vereinzelt auch Spinnmilben. Sie wirken meist besser als viele Hausmittel gegen Blattläuse. Blattläuse saugen auch hier bevorzugt an frischen Pflanzenteilen. Man kann bei massivem Befall, um den Schädlingsdruck auf den betroffenen Pflanzen zu vermindern, mit einer Sprühflasche und kräftigem Wasserstrahl versuchen, so viele Blattläuse wie möglich herunter zu sprühen. Dann kümmern sich die hungrigen Larven um den Rest und vertilgen bis zu 50 Blattläuse pro Tag.

Video Florfliegenlarven gegen Blattläuse (Chrysoperla carnea)

Video zur Bekämpfung von Blattläusen durch die Schlupfwespe Aphelinus abdominalis

Video zur räuberischen Gallmücke Aphidoletes aphidimyza


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