Weiße Fliege bekämpfen - biologisch mit Nützlingen

Weiße Fliege auf Blattunterseite
23. Februar 2021
Weiße Fliege bekämpfen - biologisch mit Nützlingen

Weiße Fliege biologisch bekämpfen - Einsatz von Nützlingen

Weiße Fliegen gehören zu den Pflanzenläusen (Sternorhyncha) und nicht, wie ihr Name vermuten lässt, zu den Fliegen (Diptera). Ihren Namen verdanken sie dem weißen Wachsstaub, der den ganzen Körper bedeckt. Von den weltweit vorkommenden ca. 1.500 Arten treten als Schädling im geschützten Anbau in Deutschland überwiegend zwei Arten auf: die Gewächshaus-Weiße Fliege (Trialeurodes vaporariorum) und die Tabak-Weiße Fliege (Bemisia tabaci). Im Freiland kommt noch die Kohl-Weiße Fliege (Aleyrodes proletella) als Pflanzenschädling vor. Die Gewächshaus-Weiße Fliege stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Sie wurde Mitte des vorletzten Jahrhunderts zunächst nach England eingeschleppt, wovon dann eine weltweite Verbreitung stattfand. Die Tabak-Weiße Fliege kommt seit etwa 40 Jahren in deutschen Gewächshäusern vor.

Weiße Fliege erkennen - Merkmale und Entwicklung der Weißen Fliegen

Weiße Fliegen sind ca. 1,5 -2 mm lange Insekten, die oft erst dadurch entdeckt werden, dass sie beim Bewegen der Blätter auffliegen. Typisch ist der mit weißem Wachs überzogene Körper.

Entwicklung

Die Entwicklung verläuft vom Ei über 4 Larvenstadien zum Vollinsekt. Die Vermehrung kann sowohl geschlechtlich, als auch ungeschlechtlich erfolgen. Weibchen von T. vaporariorum legen täglich 2 bis 7 Eier in typischer kreis- oder halbkreisförmigen Anordnung an die Blattunterseiten ab, B. tabaci legt die Eier meist einzeln ab. Männliche Tiere entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern, aus befruchteten entwickeln sich Weibchen. Die Eier werden mit einem kleinen Fortsatz in der Blattepidermis verankert. Bereits nach etwa 1 Woche schlüpfen die noch beweglichen, durchscheinenden Larven. Sie suchen sich einen Platz auf der Blattunterseite und durch Reduktion der Beine und Fühler bilden sie ein festsitzendes Gebilde, aus dem das geflügelte Vollinsekt schlüpft.

In unserem Klimabereich ist eine Überwinterung von T. vapoariorum und B. tabaci aufgrund der Temperaturempfindlichkeit ausschließlich an Pflanzen in geheizten Räumen und Gewächshäusern möglich.

Unterschiede zwischen den Arten der Weißen Fliege

Häufig sind die Gewächshaus-Weiße Fliege (Trialeurodes vaporariorum) und die Tabak-Weiße Fliege (Bemisia tabaci). Die adulten Tiere von T. vaporariorum sind etwas größer als B. tabaci. Die Flügelhaltung ist bei B. tabaci steiler, spitzdachförmig. Deutliche Unterschiede sind bei den Puparien zu finden: die Puparien von T. vaporariorum sind weiß-grau gefärbt, besitzen hochgezogene Seitenwände und sind lang bewimpert, die von B. tabaci sind gelblich, flach und kahl. Außerdem tritt noch besonders im Freiland eine Weiße Fliege an Kohl auf, die Kohlmottenschildlaus. 

Befall der Pflanzen durch Larven der Weiße Fliege - Schadbild

Während sich Trialeurodes bevorzugt an den oberen (jüngeren) Blättern und Triebspitzen zur Eiablage aufhält, findet die Eiablage bei Bemisia meist auf den unteren, älteren Blättern statt, wo sie selbst geschlüpft sind bzw. auf älteren Blättern benachbarter Pflanzen. Das Auffliegen ist ein sicheres Zeichen für den Befall mit Weißer Fliege, denn die Larven beider Arten führen ein unscheinbares Dasein und sind erst bei genauer Kontrolle erkennbar.

Die Larven saugen Pflanzensaft und sind vor allem an den Blattunterseiten ihrer vornehmlich weichblättrigen Wirtspflanzen zu finden. Durch die Saugtätigkeit vergilben die Blätter und die Pflanzen können stark geschwächt und der Ertrag massiv gemindert werden, da das Reifen der Früchte beeinflusst werden kann. Auch Pflanzenviren können übertragen werden. Sowohl die Larven, als auch die Vollinsekten (Adulte) scheiden klebrigen Honigtau aus, auf dem sich später Schwärzepilze (Rußtaupilze) ansiedeln.

Befallen werden diverse Zier- und Gemüsepflanzen (z. B. Poinsettien, Fuchsien, Gerbera, Geranien, Gurke, Tomate). Die Gewächshaus-Weiße Fliege tritt als Schädling an 82 Pflanzenfamilien auf, Bemisia tabaci an 63.

Nützlinge gegen Weiße Fliege im Gewächshaus - Encarsia formosa

Die Gewächshaus-Weiße Fliege lässt sich mit der Schlupfwespe Encarsia formosa gut bekämpfen. Gegen Bemisia tabaci sollte eine Kombination der Schlupfwespe mit Eretmocerus eremicus ("Eret-Mix") eingesetzt werden. Wichtig ist ein rechtzeitiges Erkennen des Befalls mit anschließender Ausbringung der auf Kärtchen befindlichen Nützlinge. Bei starkem Befall, wenn bereits sehr viel Honigtau vorhanden ist, meiden die Schlupfwespe diese Bereiche. Zur Befallskontrolle haben sich beleimte Gelbtafeln bewährt. Besonders die Männchen gehen diesen gern auf den Leim. Darüber hinaus sollten die Pflanzen regelmäßig auf Befall kontrolliert werden.

Raubwanze Macrolophus gegen Weiße FliegeRaubwanze Macrolophus gegen Weiße Fliege
Raubwanze Macrolophus gegen Weiße Fliege
Nützling Schlupfwespe Encarsia formosa gegen Weiße FliegeNützling Schlupfwespe Encarsia formosa gegen Weiße Fliege
Schlupfwespe Encarsia formosa gegen Weiße Fliege

Als Räuber von Weißen Fliegen wird die Raubwanze Macrolophus pygmaeus eingesetzt. Da sich nur langsam eine Population aufbaut, muss frühzeitig mit dem Einsatz begonnen werden. Bei einem vorbeugenden Einsatz kann man sterilisierte Motteneier (Sitotroga) alle 14 Tage als Ersatznahrung ausbringen. Die Raubmilbe Amblyseius swirskii kann in den Sommermonaten ebenfalls gute Dienste leisten. Sie vertilgt etwa 10 Eier oder Larvenstadium 1 pro Tag. Eine Kombination mit Encarsia hat sich bewährt.

Biologische Pflanzenschutzmittel gegen Weiße Fliege anstatt chemisch bekämpfen

Mit Naturalis® gibt es auch ein biologisches Pflanzenschutzmittel auf Basis des Pilzes Beauveria bassiana gegen Weiße Fliege. Dieses Mittel ist nur für den professionellen Pflanzenbau zugelassen. Ein Einsatz empfiehlt sich besonders auch in der kühleren Jahreszeit, in der für die Nützlinge nicht mehr ausreichende Temperaturen vorliegen.

Video über die biologische Bekämpfung der Weißen Fliege mit Nützlingen